Wenn Staaten stehlen: Beggar-my-Neighbour-Politik

„Beggar my Neighbour“ oder zu deutsch „meinen Nachbarn ausplündern“ beschreibt eine wirtschaftspolitische Vorgehensweise zu Lasten von Nachbarländern. Ein Staat betreibt diese Strategie, wenn er den inländischen Wohlstand (Beschäftigung plus Einkommen) steigert, indem die Exporte zielgerichtet erhöht werden. Dadurch sinken die Exporte respektive der Wohlstand von Nachbarländern. Die Instrumente der Die Beggar-my-Neighbour-Politik heißen Exportförderung, Einfuhrbeschränkung und Abwertung der heimischen Währung.

Beggar-my-Neighbour in Anwendung

Um das Exportvolumen eines Landes zu erhöhen, müssen seine Dienstleistungen und Waren günstiger werden. Die Preise lassen sich senken, indem die heimische Währung abgewertet wird. Abwertung steht dabei immer im Bezug zu einer anderen Währung (z. B. Euro gegenüber Dollar). Staaten erreichen dies, indem sie die Geldmenge erhöhen. In Zahlen wird die Abwertung direkt am Devisenmarkt deutlich.
Weitere Mittel der Exportförderung beinhalten Exportsubventionen, Steuererleichterungen, Ausfuhrprämien und -garantien, sowie günstige Kredite für Exportgeschäfte.
Einfuhrbeschränkungen, als staatliche Restriktionen, sind in der Gegenwart unüblich geworden und teils untersagt (z. B. EU-Binnenmarkt seit 1.1.1993). In der Praxis erfolgen sie durch Einfuhrverbote und

Risiko Abwertungsspirale

Wenn die Export-Güter sich verbilligen, steigen meist die Preise bei den Importen. Die Folge: der exportstarke Staat gerät in eine Inflation. Die Herstellungskosten für Exportgüter steigen und somit auch der Preis. Dadurch sinken die Exporte. Der Staat gerät in eine Abwertungsspirale, denn um die Exporte hoch zu halten, muss der Markt mit einer noch größeren Geldmenge geflutet werden. Ein Teufelskreis entsteht. Wenn die Preise der Exportgüter niedrig bleiben sollen, erfolgen bei Herstellungskosten und Löhnen nicht selten Kürzungen. Der Niedriglohnsektor wächst.

Egoismus schadet Beziehungen

Staaten, die eine Beggar-my-Neighbour-Politik verfolgen, nehmen in Kauf, dass ihre Nachbarländer in eine Krise geraten. Denn die Importe der Länder sinken und damit auch die Beschäftigungsmöglichkeiten. Indirekt lässt sich von „exportierter Arbeitslosigkeit“ sprechen. Beziehungen zu anderen Ländern können, auf Kosten so einer vorübergehenden Exportsteigerung, leiden. Gemeinschaftswährungen geraten leicht in eine Krise und damit die „beraubten Nachbarländer“.

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