Der Emissionskurs bei Aktien und Anleihen

Unter dem Emissionskurs oder Emissionspreis wird der Kurs verstanden, zu dem neu emittierte Aktien oder Anleihen am Kapitalmarkt zum Kauf angeboten werden. Dabei gibt es Unterschiede bei den Emissionskursen beider Wertpapierarten.

Anleihen

Der Emissionskurs von Anleihen orientiert sich in der Regel an dem Nennwert (= Rückzahlungswert). Wird die Anleihe mit einem Aufschlag auf den Nennwert ausgegeben, spricht man von einer Über-Pari-Emission, bei einem Abschlag dagegen von einer Unter-Pari-Emission. Die Differenz zum Nennwert heißt bei einem höheren Ausgabekurs Agio, entsprechend Disagio bei einem niedrigeren Ausgabekurs. In der Praxis sind Unter-Pari-Emissionen (ca. 2 bis 3 % Disagio) häufig, um Kaufanreize zu schaffen. Die Emission erfolgt als Eigen- oder Fremdemission, im Versteigerungs- oder Tenderverfahren, als Einmal- oder Daueremission.

Aktien

Aktien können ebenso wie Anleihen mit einem Agio auf den Nennwert emittiert werden. Unterpari-Emissionen sind dagegen aktienrechtlich nicht zulässig. Theoretisch sollte sich der Emissionskurs an dem sogenannten inneren Wert einer Aktie orientieren, der letztlich durch die auf den Emissionszeitpunkt bezogenen Gewinn- bzw. Ausschüttungserwartungen für die Zukunft bestimmt wird. Für die Preisbildung in der Praxis haben sich drei Verfahren herausgebildet: das Festpreisverfahren, das Auktionsverfahren und das Bookbuilding-Verfahren. Während früher die Aktienemission im Festpreisverfahren – d.h. Verkauf zu einem vorher festgelegten Preis – üblich war, ist inzwischen das Bookbuilding-Verfahren Standard. Dabei wird der Emissionskurs auf Basis einer vorgegebenen Preisspanne, innerhalb der potentielle Käufer Gebote abgeben können, bestimmt. Die Emission erfolgt oft im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens, bei dem die Aktien zuerst durch eine Investmentbank oder ein Bankenkonsortium übernommen und in einem zweiten Schritt am Kapitalmarkt platziert werden.

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