Finetrading – eine Alternative zum Warenkredit

Banken sind seit der Finanzkrise und dem damit zusammenhängenden Inkrafttreten von Regulierungsvorschriften, den sogenannten Regeln Basel II und Basel III, vorsichtiger geworden bei der Kreditvergabe. Das trifft auch mittelständische Unternehmen. Finetrading ist eine Dienstleistung, die die Liquidität eines Unternehmens deutlich verbessern kann, ohne dass für die Beschaffung von Umlaufvermögen wie Rohstoffe und Vorprodukte ein Bankkredit benötigt wird.

Finetrader zwischen Unternehmen und Lieferant

Rechtlich betrachtet gibt es beim Finetrading drei Beteiligte mit unterschiedlichen Vertragsbeziehungen zueinander. Während beim normalen Wareneinkauf ein Kaufvertrag zwischen dem Käufer und dem Lieferanten geschlossen wird, kommt hier ein professioneller Finetrading-Anbieter (Finetrader) hinzu. Die Bezeichnung hat übrigens nichts mit dem englischen Wort fine (fein, gut) zu tun. Finetrading ist ein Kunstwort aus den Bestandteilen finance (Finanzierung) und Trading (Handel) und drückt damit die Doppelfunktion des Geschäfts aus. Der Finetrader tritt als Zwischenhändler (Intermediär) auf. Der eigentliche Besteller der Waren verhandelt mit dem Lieferanten, denn er weiß am besten, was er benötigt – zum Beispiel hinsichtlich genormter Qualitätsstandards – und was er bereit ist, dafür zu bezahlen. Der Kauf wird dann aber in zwei Teile zerlegt. Der erste Kaufvertrag wird zwischen dem Lieferanten und dem Finetrader geschlossen. Der Finetrader wird Eigentümer der Ware und muss deshalb auch für diesen Kauf bezahlen, er ist also Debitor in diesem Geschäft. Tatsächlich handelt er aber im Auftrag seines Kunden. Dieser verpflichtet sich in einem zweiten Kaufvertrag, die vom Finetrader gekauften Waren abzunehmen und dafür zu zahlen. Diese Zahlung unterscheidet sich vom Originalbetrag, weil der Finetrader eine umfassende Finanzdienstleistung erbringt und dafür eine Gebühr erhebt. Er sichert beispielsweise das Geschäft durch eine Warenkreditversicherung ab. Außerdem wird ein deutlich längeres Zahlungsziel vereinbart, zum Beispiel vier Monate. Finetrading funktioniert also wirtschaftlich wie ein Bank- oder Lieferantenkredit. Der Finetrader, der aus dem ersten Kaufvertrag sofort an den Lieferangten gezahlt hat, berechnet Zinsen für die Zwischenfinanzierung. Die Konstruktion ähnelt dem Factoring.

So wird Finetrading eingesetzt

Finetrading eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen ab einem Kaufvolumen von etwa 50.000 Euro. In der Praxis werden meist Warenlieferungen ab 100.000 Euro bis hin zu mehreren Millionen auf diese Weise finanziert. Der Kunde des Finetraders schont nicht nur seine Kreditlinie, sondern verbessert auch Bilanzkennzahlen trotz hundertprozentiger Finanzierung. Gleichzeitig erreicht er einen vollständigen Ausfallschutz. Die Gesamtkosten können je nach individueller Vertragsgestaltung unterschiedlich ausfallen, 10 % der Kaufsumme sind aber ein guter Näherungswert. In der Regel besteht ein Rahmenvertrag zwischen dem Finetrader und dem Abnehmer der Waren, sodass die Konditionen im Voraus transparent sind. Nutzer von Finetrading profitieren von Einkaufsmöglichkeiten unabhängig von der eigenen Liquidität und können damit niedrige Marktpreise flexibel nutzen und saisonale Schwankungen ihrer Gewinnsituation ausgleichen.

Bild: Bigstockphoto.com / NAN728

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