Brexit-Folgen für das Depot: Risiken für Privatanleger

Der Brexit hat gezeigt, dass politische Entscheidungen Währungen, Aktien, Anleihen und Bankguthaben beeinflussen. Bei britischen Anlagen zählt für Privatanleger mit Ausgaben in Euro neben dem Wertpapierkurs auch der Wechselkurs des Pfunds zum Euro.

Politische Ereignisse lassen sich kaum zuverlässig vorhersagen. Wenn Ihr Depot Anlagen aus verschiedenen Ländern, Branchen und Anlageklassen enthält, hängt es weniger von einer einzelnen Entwicklung ab. Vor Verlusten schützt diese Streuung aber nicht.

Marktreaktionen nach dem Brexit-Referendum

Nach dem Referendum am 23. Juni 2016 reagierten die Märkte deutlich, aber nicht alle Anlagen gleich. Laut Bank of England sank der Pfund-Wechselkursindex zwischen dem 23. Juni und dem 1. Juli um 9 Prozent. Britische Bankaktien verloren in diesem Zeitraum im Durchschnitt 20 Prozent. Aktien britischer Unternehmen mit stärkerem Inlandsgeschäft fielen um 10 Prozent.

Auch die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen änderte sich deutlich: Sie sank zwischen dem 23. Juni und dem 1. Juli um 52 Basispunkte. Sinkt die Marktrendite, steigen meist die Kurse bereits ausgegebener Anleihen mit festem Zinssatz.

Die Zahlen beziehen sich auf kurze Zeiträume. Sie zeigen nicht, wie sich jedes britische Wertpapier oder ein Depot in Euro langfristig entwickelt hat. Auch außerhalb Großbritanniens fielen die Aktienkurse zunächst. Danach erholten sich die Märkte teilweise.

Das Pfund verändert die Euro-Rendite

Wer in Euro rechnet und ein Wertpapier in Pfund hält, trägt zwei Risiken: Der Wert des Wertpapiers kann sich verändern, und das Pfund kann gegenüber dem Euro steigen oder fallen. Steigt eine britische Aktie in Pfund, während das Pfund gegenüber dem Euro sinkt, fällt der Gewinn in Euro geringer aus. Ein stärkeres Pfund kann die Euro-Rendite dagegen erhöhen.

Ein schwächeres Pfund hilft britischen Unternehmen, die viel Geld in anderen Währungen einnehmen: Beim Umtausch in Pfund werden diese Einnahmen höher. Für Unternehmen, die Rohstoffe oder andere benötigte Materialien aus dem Ausland kaufen, steigen zugleich die Kosten. Das britische Statistikamt ONS beobachtete nach der Abwertung höhere Exportumsätze bei Herstellern, hielt aber zugleich fest, dass importierte Materialien und Treibstoffe einen Teil des Vorteils aufzehren konnten.

Die Währung, in der eine Aktie gehandelt wird, reicht als Maßstab allein nicht aus. Prüfen Sie auch, wo ein Unternehmen seine Produkte verkauft, welche Währungen seine Kosten bestimmen und in welcher Währung Sie das investierte Geld später benötigen.

Aktien reagieren je nach Geschäft

Ein politischer Schock kann die Kurse an einem ganzen Aktienmarkt drücken. Einzelne Unternehmen trifft er aber unterschiedlich. Die Verluste britischer Banken und von Firmen, die vor allem in Großbritannien Geschäfte machten, zeigen das: Für manche Unternehmen waren ihre Geschäftskunden, die Nachfrage nach Krediten und die britische Wirtschaft wichtiger als für international tätige Konzerne.

Ein Unternehmen mit Sitz an einer britischen Börse hängt nicht automatisch vor allem von der britischen Wirtschaft ab. Ein international tätiger Konzern mit hohen Einnahmen aus dem Ausland kann von einem schwächeren Pfund profitieren. Ein Unternehmen, dessen Kunden überwiegend in Großbritannien sitzen, leidet dagegen eher, wenn die britische Wirtschaft schwächelt.

Nach dem ersten Kurseinbruch erholten sich britische Aktien teilweise. Das belegt weder, dass alle Anleger ihre Verluste aufgeholt haben, noch dass die langfristigen Folgen des Brexit ausblieben. Entscheidend für die eigene Geldanlage bleibt, ob das Depot stark auf einzelne Länder, Branchen oder Unternehmen konzentriert ist.

Anleihen haben eigene Risiken

Die sinkenden Renditen britischer Staatsanleihen nach dem Referendum stützten zunächst deren Kurse. Daraus folgt jedoch nicht, dass Anleihen generell sicher sind. Steigen die Marktzinsen, verlieren ältere Anleihen mit niedrigeren Zinszahlungen häufig an Wert. Je länger ihre Laufzeit, desto stärker reagieren sie typischerweise auf Zinsänderungen.

Wichtig ist auch, ob der Staat oder das Unternehmen, das die Anleihe ausgegeben hat, seine Schulden bezahlen kann. Es kann passieren, dass der Schuldner die Zinsen oder den geliehenen Betrag nicht zurückzahlt. Inflation mindert ebenfalls den Wert fester Zinszahlungen: Mit demselben Betrag lassen sich später weniger Waren und Dienstleistungen kaufen. Wer eine Anleihe vor dem Laufzeitende verkaufen muss, erhält möglicherweise weniger als den Kaufpreis.

Prüfen Sie vor dem Kauf, wann die Anleihe fällig wird und ob der Schuldner seine Schulden voraussichtlich zurückzahlen kann. Überlegen Sie auch, ob Sie die Anleihe bis zur Rückzahlung halten können. Eine höhere Rendite geht häufig mit einem höheren Risiko einher.

Tagesgeld hält Geld verfügbar

Tagesgeld eignet sich für Geld, das kurzfristig verfügbar bleiben soll. Der Kontostand schwankt nicht täglich wie der Kurs einer Aktie. Das schützt jedoch nicht vor Kaufkraftverlust: Liegt der Zinssatz unter der Inflation, kann das Guthaben real an Wert verlieren.

In Deutschland schützt die gesetzliche Einlagensicherung grundsätzlich Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Für höhere Beträge gilt dieser allgemeine gesetzliche Schutz nicht. Bei einem Konto bei einer britischen Bank oder einer Niederlassung eines britischen Instituts sollten Sie prüfen, welches Sicherungssystem für das Konto gilt. Das hängt davon ab, wo die Bank zugelassen ist und wie das Konto geführt wird. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat nach dem Ende der Brexit-Übergangszeit auf mögliche Unterschiede bei britischen Instituten hingewiesen.

Verteilen Sie größere Guthaben auf verschiedene Banken, wenn Sie den gesetzlichen Schutz vollständig nutzen wollen. Die Bezeichnung „Tagesgeld“ sagt bei einem ausländischen Konto nicht, welches Einlagensicherungssystem gilt. Klären Sie deshalb, welches System für das Konto zuständig ist.

So wird das Depot robuster

Ein robustes Depot passt zu Ihrem Anlageziel, dazu, wie lange das Geld angelegt bleibt, und zu den Verlusten, die Sie finanziell und emotional verkraften können. Geld für absehbare Ausgaben sollten Sie anders anlegen als Geld, das langfristig investiert bleiben soll. Tagesgeld eignet sich für kurzfristige Rücklagen. Aktien und Anleihen haben andere Aufgaben und bringen jeweils eigene Risiken mit.

Bei der Prüfung Ihres Depots helfen diese Punkte:

  • Streuung: Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen und innerhalb jeder Anlageklasse auf unterschiedliche Länder und Branchen. So hängt Ihr Depot weniger von einzelnen Unternehmen oder Märkten ab. Gewinne sind dadurch nicht garantiert.
  • Währungsrisiko: Prüfen Sie, wie stark ausländische Anlagen und Ihre künftigen Ausgaben von derselben Währung abhängen.
  • Anleihen: Stimmen Sie die Laufzeit und die Fähigkeit des Schuldners, seine Schulden zurückzuzahlen, auf Ihren Anlagezeitraum und Ihre Verlusttoleranz ab. Wenn Sie eine Anleihe möglicherweise vor Fälligkeit verkaufen, sollten Sie das Kursrisiko einplanen.
  • Tagesgeld: Achten Sie auf die zuständige Einlagensicherung und darauf, ob der Zinssatz die Kaufkraft erhält.
  • Überprüfung: Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Aufteilung noch zu Ihren Zielen passt. Wenn einzelne Anlagen stark gestiegen oder gefallen sind, kann eine Rückkehr zur ursprünglich gewählten Gewichtung sinnvoll sein.

Politische Ereignisse sind kein guter Grund für hektische Käufe oder Verkäufe. Wer wegen einer Schlagzeile das ganze Depot umschichtet, kann kurzfristige Kursschwankungen für eine dauerhafte Veränderung der Wirtschaftslage halten. Der Brexit führte zunächst zu starken Kursschwankungen, später erholten sich die Märkte teilweise. Daraus lässt sich aber nicht verlässlich ableiten, wie der nächste Schock verläuft.